April 13

Strategem 2 : Wie Sie mit „Wei belagern, um Zhao zu retten“ Preiskämpfe gewinnen

Ein Wettbewerber startet eine Preisoffensive. Ihr Key Account ruft an: „Der andere ist 12 % günstiger.“ Ihr Team spürt Druck, Preiskorrekturen häufen sich, die Marge schrumpft, die Stimmung kippt. In solchen Momenten frontal dagegenzuhalten, führt oft nur zu einem zermürbenden Abnutzungskampf.

Genau hier greift Strategem 2 der 36 Strategeme: „Wei belagern, um Zhao zu retten“ (圍魏救趙, Wéi Wèi jiù Zhào). Der Kern dieser brillanten, indirekten Strategie lautet: Wenn der Gegner an einem Punkt überlegen ist, verlagern Sie das Spielfeld. Statt Ihre bedrohte Position (Ihr „Zhao“) direkt zu verteidigen, greifen Sie ein empfindliches, strategisch wichtiges Ziel des Gegners an (sein „Wei“).

Historisch geht das Strategem auf einen Feldzug zur Zeit der Streitenden Reiche in China zurück. Als der Staat Zhao von Wei angegriffen wurde und Qi um Hilfe bat, marschierte der geniale Stratege Sun Bin nicht direkt zum Schlachtfeld. Stattdessen griff er die ungeschützte Hauptstadt von Wei an. Wei musste die Belagerung von Zhao abbrechen, um die eigene Hauptstadt zu verteidigen.

Übertragen auf Ihr Business bedeutet das:

„Nehmen Sie Druck von Ihrem eigenen Engpass, indem Sie bei Ihrem Wettbewerber einen größeren Engpass auslösen.“

Was „Zhao“ und „Wei“ in Ihrem Unternehmensalltag bedeuten

Was „Zhao" und „Wei" in Ihrem Unternehmensalltag bedeuten

Wenn Sie das Strategem erfolgreich anwenden wollen, identifizieren Sie klare Ziele:

  • Ihr „Zhao“ ist das, was Sie verteidigen: Ihre Marge, ein wichtiger Key Account, Ihre Lieferfähigkeit, die Reputation Ihres Unternehmens oder die Bindung Ihrer besten Mitarbeiter.
  • Das „Wei“ des Gegners ist das, was ihm wirklich wichtig ist: sein Cashflow, die Auslastung seiner Produktion, seine Top-Kunden, kritische Lieferkettenpartner, seine Talent-Pipeline oder wichtige Vertriebskanäle.

Das Prinzip lebt von einer einfachen Regel: Kein Gegner kann an allen Fronten gleichzeitig maximal stark sein. Wenn Sie sein Nervenzentrum treffen, zwingen Sie ihn, seine Kräfte neu zu verteilen. Er wird reaktiv, und Ihre eigene Position bekommt Luft zum Atmen.

Anwendungsfelder: Wann Strategem 2 besonders wirksam ist

Anwendungsfelder: Wann Strategem 2 besonders wirksam ist

Diese indirekte Strategie entfaltet ihre größte Wirkung in Situationen, in denen ein frontaler Angriff viel Energie kostet, jedoch wenig Ertrag verspricht:

  1. Preiskämpfe & Ausschreibungen: Anstatt nur Rabatte zu geben, verändern Sie die Bewertungskriterien.
  2. Abwerbung & Talent-Konkurrenz: Statt in einen Gehaltswettlauf einzusteigen, schwächen Sie die Attraktivität des Wettbewerbers als Arbeitgeber.
  3. Krisenkommunikation: Anstatt sich in einer Rechtfertigungsspirale zu verlieren, setzen Sie ein eigenes, positives Thema.
  4. Verhandlungsdruck: Statt auf ein simples „Ja/Nein“ zu reagieren, erweitern Sie das Spielfeld um neue, für Sie vorteilhafte Aspekte.

Praxisbeispiel 1: Strategem 2 im Preiskampf – Weg von „billiger“, hin zu „riskanter für den Gegner“

Praxisbeispiel 1: Strategem 2 im Preiskampf – Weg von „billiger", hin zu „riskanter für den Gegner"

Ausgangslage: Ein Wettbewerber unterbietet Sie bei einem wichtigen Key Account.

Frontaler Angriff: Sie steigen in eine “Rabatt-Schlach”t ein, die Ihre Marge Verhandlungsrunde für Verhandlungsrunde schmälert.

Strategem-Ansatz: Sie belagern das „Wei“ des Wettbewerbers, indem Sie dessen Angebot für den Kunden anstrengender, riskanter und aufwändiger machen.

Konkrete Umsetzung:

  • Sie bieten statt„gleiches Angebot günstiger“ ein Ergebnis-Paket, das dem Kunden intern Kosten und Aufwand spart (z.B. durch garantierte Reaktionszeiten, planbare Lieferfenster, reduzierte Schnittstellen).
  • Sie schlagen ein bezahltes Pilotprojekt vor (30 Tage) mit messbaren KPIs (z.B. Liefertermintreue, Reklamationsquote), mit dem Sie den Mehrwert Ihres Angebots  belegen.
  • Sie thematisieren die Wechselkosten intelligent: Wer übernimmt die Kosten für Schnittstellen-Setup, Schulungen und Prozessdokumentation?

Wirkung: Der Kunde denkt plötzlich in Prozesssicherheit und Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) statt nur im reinen Stückpreis. Das Angebot des Wettbewerbers wird als „billiger“ und gleichzeitig „riskanter“ und „anstrengender“ wahrgenommen.

Strategem 2 im Business - Wie Sie mit „Wei belagern, um Zhao zu retten“ Preiskämpfe gewinnen

Praxisbeispiel 2: Strategem 2 im „War for Talents“ – Mitarbeiterbindung stärken, Wettbewerber schwächen

Praxisbeispiel 2: Strategem 2 im „War for Talents" – Mitarbeiterbindung stärken, Wettbewerber schwächen

Ausgangslage: Ein Konkurrent wirbt aktiv Ihre besten Vertriebsmitarbeiter ab.

Frontaler Angriff: Sie machen Gegenangebote, starten Gehaltsrunden und erzeugen Unruhe im Team.

Strategem-Ansatz: Sie greifen die Attraktivitätsquelle des Gegners an (sein „Wei“), indem Sie dessen Employer Story und Entwicklungspfade in Frage stellen und parallel Ihre eigene Mitarbeiterbindung stärken.

Konkrete Umsetzung:

  • Sie starten intern ein sichtbares „90 Tage Sales-Upgrade“-Programm mit klaren Entwicklungsstufen, Mentoring und verbesserten Lead-Prozessen.
  • Sie positionieren sich bei Kandidaten mit harten Fakten: Onboarding-Qualität, Coaching-Angebote, Gebietsschutz und realistische Zielsysteme.
  • Sie nutzen Ihr Netzwerk, um gezielt Informationen über hohe Fluktuation oder unrealistische Versprechen beim Wettbewerber zu verbreiten.

Wirkung: Ihre Mitarbeiter erleben eine klare Perspektive und Wertschätzung. Beim Gegner steigt der Rechtfertigungsdruck und der Recruiting-Aufwand. Der Angriff verlagert sich, und Ihre Position gewinnt an Stabilität.

Der Klartext-Plan: Ihr 8-Schritte-Fahrplan zur Umsetzung von Strategem Nr. 2

Der Klartext-Plan: Ihr 8-Schritte-Fahrplan zur Umsetzung von Strategem Nr. 2
  1. „Zhao“ benennen: Was genau steht unter Druck? (Marge, Kunde, Team, Projekt)
  2. Konkrete Analyse: Woran erkennen Sie den Druck in Zahlen? (Rabattquote, Churn-Risiko, Fluktuation)
  3. „Wei“ identifizieren: Was ist das Nervenzentrum des Gegners? (Cashflow, Auslastung, Top-Kunden)
  4. Hebel wählen: Konzentrieren Sie sich auf einen Angriffspunkt, der maximale Wirkung verspricht.
  5. Indirekte Maßnahme designen: Entwickeln Sie ein konkretes Angebot (z.B. Premium-Service, Pilotprojekt, Partner-Playbook).
  6. Tempo machen: Setzen Sie einen sichtbaren Quick-Win innerhalb von 14 Tagen um.
  7. „Zhao“ stabilisieren: Stärken Sie parallel Ihre eigene Position durch klare Standards und Botschaften.
  8. Erfolg messen: Prüfen Sie wöchentlich 2–3 Kennzahlen (z.B. Abschlussrate, Durchlaufzeit, Abwanderungsrisiko).
8-Schritte-Fahrplan zur Umsetzung von Strategem 2

Leitplanken für eine professionelle Anwendung

Leitplanken für eine professionelle Anwendung

Strategem 2 ist eine mächtige Methode, die ihre Wirkung durch kluge Spielfeldverlagerung entfaltet. Damit sie professionell und ethisch einwandfrei bleibt, beachten Sie bitte drei Grundregeln:

  • Fakten bleiben Fakten: Arbeiten Sie stets mit belegbaren Zahlen und halten Sie Ihre Zusagen ein.
  • Kundenbeziehung auf Augenhöhe: Der Druck auf den Wettbewerber entsteht durch höheren Nutzen für den Kunden, nicht durch unfaire Taktiken.
  • Fokus schlägt Aktionismus: Ein sauber umgesetzter Ansatz ist wirksamer als fünf halbherzige Versuche.

Zusammenfassung: Die Kunst der indirekten Strategie

Zusammenfassung: Die Kunst der indirekten Strategie

„Wei belagern, um Zhao zu retten“ ist mehr als nur eine historische Anekdote – es ist ein hochwirksames Umsetzungsprinzip für Führung, Vertrieb und Verhandlung im 21. Jahrhundert. Indem Sie sich weniger in eine Strudel begeben und stattdessen den entscheidenden Engpass Ihres Gegners aktivieren, gewinnen Sie automatisch Handlungsspielraum, Verhandlungsmacht und oft eine Lösung, die sich für alle Seiten sachlich begründen lässt.

Dieses Vorgehen ist eng verwandt mit Strategem Nr. 1: „Den Kaiser täuschen und das Meer überqueren“, bei dem es ebenfalls darum geht, durch unkonventionelle Ansätze Widerstände zu umgehen und Ziele effektiver zu erreichen.

Sind Sie bereit, Ihre aktuelle Herausforderung strategisch zu lösen?

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Über den Autor

Mein Name ist Michael Fridrich und ich bin Führungskräfte- und Vertriebstrainer aus Aachen. 


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